{"id":219616,"date":"2019-09-20T14:24:59","date_gmt":"2019-09-20T12:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/?p=219616"},"modified":"2024-10-18T13:45:43","modified_gmt":"2024-10-18T11:45:43","slug":"schachbetrueger-mit-dem-handy-auf-der-toilette-erwischt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/schachbetrueger-mit-dem-handy-auf-der-toilette-erwischt\/","title":{"rendered":"Tschechischer Schachbetr\u00fcger mit dem Handy auf der Toilette erwischt"},"content":{"rendered":"<p>Igor Rausis galt als Sp\u00e4tentwickler, als Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr \u00e4ltere Schachspieler. Im hohen Schachalter von 58 Jahren st\u00fcrmte er die Weltrangliste empor &#8211; bis er in der vergangenen Woche st\u00fcrzte. Der Schachweltverband Fide hat den tschechischen Gro\u00dfmeister offenbar des Betrugs \u00fcberf\u00fchrt. Bei den Stra\u00dfburg Open, einem mittelgro\u00dfen Turnier, fanden Ermittler der Fide ein Smartphone auf der Toilette und machten Rausis als Besitzer aus.<br \/>\nDer Beschuldigte unterschrieb mittlerweile eine offizielle Erkl\u00e4rung, das Handy w\u00e4hrend des Turniers benutzt zu haben. Das ist im Schach strikt verboten, schlie\u00dflich k\u00f6nnten sich die Spieler Hilfe bei einem Schachcomputer holen: Was ist mein bester Zug? Wie reagiere ich am intelligentesten auf diese Er\u00f6ffnung meines Gegners?<br \/>\nRausis gab gegen\u00fcber der britischen &#8222;Times&#8220; zu, eine Schachsoftware benutzt zu haben. Welche App genau, wollte er aber nicht verraten. Der Gro\u00dfmeister sagte, er erwarte nun eine lebenslange Sperre und habe seinen &#8222;Schachtod&#8220; begangen. Der Weltverband Fide hat Ermittlungen eingeleitet.<br \/>\nVor den Partien auf technische Hilfen durchsucht<br \/>\nWas Doping f\u00fcr Bewegungssportler darstellt, ist die Computerhilfe f\u00fcr Schachspieler. Schlie\u00dflich ist die k\u00fcnstliche Intelligenz, wie beispielsweise AlphaZero, deutlich st\u00e4rker im Schach als menschliche Spieler. Eine Engine, die die richtigen Z\u00fcge verr\u00e4t, verhilft jedem Amateur und Gro\u00dfmeister zu Siegen &#8211; und ist deswegen w\u00e4hrend der Partien verboten. Bei gro\u00dfen Turnieren wie der WM werden die Spieler auf technische Hilfen wie Handys oder Mikrowanzen im Ohr durchsucht. Doch bei kleineren Turnieren ist der Betrug aufgrund mangelnder Kontrollen einfacher.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit wurden F\u00e4lle bekannt, in denen sich Schachspieler mit technischen Hilfsmitteln Siege erschlichen. Die vermeintlichen Genies lie\u00dfen sich die besten Z\u00fcge von Kollegen per SMS schicken oder per Funk ins Ohr sprechen. Doch es sind wenige Ausnahmen, wie hoch die Dunkelziffer der unerlaubten technischen Hilfe ist, bleibt unklar. Der bislang letzte bekanntere Betrugsfall wurde 2015 aufgekl\u00e4rt, als der Georgier Gajos Nigalidse bei den Dubai Open mit einem Handy auf der Toilette erwischt wurde.<br \/>\nDie zu laschen Kontrollen k\u00f6nnte sich auch Rausis zunutze gemacht haben. Der tschechische Gro\u00dfmeister hatte bis 2013 eine stabile Elo-Wertungszahl von rund 2500. Innerhalb von sechs Jahren schoss die Zahl aber um knapp 200 Punkte in die H\u00f6he. Dabei war Rausis mit 58 Jahren eigentlich \u00fcber den Zenit eines Topspielers hinaus. Er war der \u00e4lteste Spieler in den Top 100 der Weltrangliste. Rausis Leistungssprung ist vergleichbar mit einem Sprinter, der erst mit 40 Jahren anf\u00e4ngt, die 100 Meter regelm\u00e4\u00dfig in elf Sekunden zu laufen.<\/p>\n<p>Algorithmus kann Betr\u00fcger \u00fcberf\u00fchren<br \/>\nDie Strategie des Tschechen sah laut den Expertenseiten &#8222;ChessBase&#8220; und &#8222;Chess24&#8220; so aus: Er spielte mittelgro\u00dfe Turniere wie in Stra\u00dfburg, in denen er als Gro\u00dfmeister auf deutlich schlechtere Spieler traf. Meist gewann er die Spiele und legte pro Sieg den Mindestwert von 0,8 Elo zu. So entwickelte er sich langsam aber stetig zum vermeintlichen Weltklassespieler. Beweise, dass er dabei Computerhilfe hatte, gibt es nicht.<br \/>\nLaut Yuri Garrett, dem Chef der Fairplaykommission, profitierte die Fide bei ihrer Beobachtung Rausis&#8216; von Partieanalysen des US-amerikanischen Professors Ken Regan. Der Informatiker, der schon als &#8222;Schachdetektiv&#8220; beschrieben wurde, hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem er Partien auf computergest\u00fctzte Hilfe untersuchen kann. Der Algorithmus sucht nach Korrelationen zwischen Z\u00fcgen auf dem Brett und dem von der Schachengine empfohlenen Zug. W\u00e4hlt ein Spieler h\u00e4ufig den Computerzug, ist er zu nah an der Perfektion und macht sich des Betrugs verd\u00e4chtig &#8211; so wie Rausis.<br \/>\nWenn Regan Partien analysiert, fragt er seinen Algorithmus: &#8222;Waren es erzwungene Z\u00fcge? Waren die meisten Z\u00fcge solche, die die meisten Menschen gefunden h\u00e4tten?&#8220; Das erkl\u00e4rte er vor Jahren im Interview mit dem &#8222;National Public Radio&#8220;: &#8222;Mein Modell spuckt dann eine Zahl aus, die sagt: Ja, deswegen gibt es keine gro\u00dfe Abweichung. In anderen F\u00e4llen hei\u00dft es: Whoa, warte eine Sekunde, das ist eine viel h\u00f6here Korrelation, als diese Stellung zulassen w\u00fcrde.&#8220;<br \/>\n&#8222;Erst der Anfang&#8220;<br \/>\nAufgrund dieser Analysen beobachtete die Fide Rausis offenbar schon l\u00e4nger. Beim Turnier in Stra\u00dfburg entdeckten die Mitarbeiter schlie\u00dflich das Handy auf der Toilette und fanden heraus, dass es dem Gro\u00dfmeister geh\u00f6rt. Im Internet kursiert sogar ein Bild von Rausis, wie er mit einem Handy in der Hand auf der Toilette sitzt. Wer das Foto \u00fcber die Kabinenwand hinweg geschossen hat, ist nicht bekannt. Die Fide erkl\u00e4rte, dass das Foto nicht von ihr stamme.<br \/>\n&#8222;Dass wir Rausis erwischt haben, ist erst der Anfang&#8220;, schrieb Fide-Generaldirektor Emil Sutovsky auf Facebook: &#8222;W\u00e4hrend es unm\u00f6glich ist, Betrug zu beseitigen, hat sich das Risiko, erwischt zu werden, deutlich erh\u00f6ht. Und die Strafen werden h\u00e4rter sein.&#8220;<br \/>\nWie oft die Fide Hinweisen durch den Algorithmus von Professor Regan nachgeht oder ob sie sch\u00e4rfere Sicherheitsvorkehrungen auch bei kleineren Turnieren durchsetzen m\u00f6chte, ist allerdings nicht bekannt.<br \/>\nWelche Strafe Rausis nach den Ermittlungen der Ethikkommission gegen ihn erwartet, ist ebenfalls noch offen. Im vergleichbaren Fall des Georgiers Nigalidse wurde der Betr\u00fcger f\u00fcr drei Jahre gesperrt. Au\u00dferdem entzog die Fide ihm damals den Gro\u00dfmeistertitel.<br \/>\nVon Florian P\u00fctz Spiegel online <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/sport\/sonst\/schach-wie-der-weltverband-betrueger-erwischt-a-1277439.html\">zum Artikel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schach-Weltverband hat einen Gro\u00dfmeister auf der Toilette beim Betr\u00fcgen erwischt. Geholfen hat dem Verband Ken Regan, der sogenannte &#8222;Schachdetektiv&#8220;. Beitrag von Spiegel online<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":219617,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[73],"tags":[],"class_list":["post-219616","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-betrugsfall"],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"thumbnail":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",128,71,false],"medium":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"medium_large":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",768,427,false],"large":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"1536x1536":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"2048x2048":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"colormag-highlighted-post":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi-392x272.jpg",392,272,true],"colormag-featured-post-medium":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi-390x205.jpg",390,205,true],"colormag-featured-post-small":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi-130x90.jpg",130,90,true],"colormag-featured-image":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false],"colormag-default-news":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",150,83,false],"colormag-featured-image-large":["https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/D_SC3-bXkAAoOTi.jpg",800,445,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"webmaster","author_link":"https:\/\/schach-aschaffenburg.de\/wp\/author\/webmaster\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Der Schach-Weltverband hat einen Gro\u00dfmeister auf der Toilette beim Betr\u00fcgen erwischt. 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