Die Skandale von Borislav Ivanov

Die Skandale von Borislav Ivanov waren in den Jahren 2012 und 2013 ein Grund zum Feiern in der Schachwelt, wobei der erste Betrug bei den Zadar Open und dann Kyustendil vermutet wurde. Er wurde für vier Monate vom bulgarischen Schachbund verbannt, obwohl dieses Verbot wegen Verfahrensfehlern aufgehoben wurde und nicht auf den Betrugsvorwürfen beruhte, sondern eher auf Ivanovs unhöflichem Verhalten gegenüber seinen Anklägern. Nach verschiedenen Zwischenspielen wurde er vom Bulgarischen Schachverband dauerhaft verboten. Die Vorfälle waren von Bedeutung, da sie eines der ersten waren, das statistische Methoden zur Analyse der Zugabgleiche mit Computerprogrammen verwendeten, obwohl diese Beweise letztendlich nie in einem formellen Gerichtsverfahren verwendet wurden.

Ivanovs Name wurde erstmals bekannt, als er sich im Dezember 2012 bei den Zadar Open wegen des Verdachts auf Betrug, vor einem Schiedsrichter nackt ausziehen musste, damit ihn dieser untersuchen konnte. Er war damals 25 Jahre alt und hatte eine ELO von 2227, aber bezwang gleich 4 Großmeister (Bojan Kurajica, Robert Zelcic, Zdenko Kozul und Ivan Saric) in diesem Turnier. Er holte 6 von 9 möglichen Punkten und erbrachte eine ELO-Leistung von 2697! Dies führte zu dem Verdacht, dass Ivanov elektronische Hilfsmittel verwenden würde, worauf er von den Schiedsrichtern aufgefordert wurde, sich nackt auszuziehen, damit diese nach verbotenen Hilfsmittel an seinen Körper und in seiner Kleidung suchen konnten. Sie fanden aber nichts, und entschuldigten sich bei ihm.

Zu dieser Zeit steckten die Anti-Betrugsregeln der FIDE noch in den Kinderschuhen, aber die Ivanov Story trug zur Verbesserung dieser Regeln bei. Seine Partien bei den Zadar Open wurden von vielen Spielern analysiert. Ken Regan, Dozent am Institut für Informatik und Ingenieurwissenschaften der Universität in Buffalo, kam zu folgender Analyse: „Die Chance, dass Ivanov diese Leistung ohne fremde Hilfe erbracht hat, ist eins zu einer Million!“

Zwei Monate nach den Zadaro Open, zeigt Ivanov eine durchschnittliche Leitung bei den Tringov Memorial in Plovdiv, wo er den 88. Platz erreichte. Aber im März 2013 gewann er ein Schnellschach Turnier in Spanien und erbrachte dort wieder eine ELO Leistung von 2696!

Obwohl keine Beweise für einen Betrug vorlagen wurde Ivanov daraufhin vom bulgarischen Schachverband für 3 Monate gesperrt. Kurz nach Ablauf dieser Sperre kam es zum nächsten Skandal, als er bei einem Turnier in Blagoevgrad in Bulgarien, während der Partie gegen den Großmeister Maxim Dlugy, erneut durchsucht werden sollte, und sich weigerte, seine Schuhe auszuziehen.

Daraufhin erklärete Ivanov, dass er seine Schachkarriere beenden würde, aber schon 2 Monate später trat er beim nächsten Turnier, den Navalmoral de la Mata in Cacéres, Extremadura (Spanien), an. Hier schlug er wieder einige Großmeister, worauf er nach der 6. Runde nachträglich vom Turnier ausgeschlossen wurde.

Auch hier wurde er durchsucht und hier fand man erstmals ein elektronisches Gerät in seiner Kleidung. Die Schiedsrichter stellten ihn dann vor die Wahl, entweder das Gerät offen auf den Tisch zu legen oder das Turnier zu verlassen, und er zog letzteres vor. In einem späteren Interview mit ChessVibes bestritt Ivanov, dass er ein solches Gerät bei sich gehabt habe.
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