Veränderungen bei den FIDE-Regeln ab Juli 2017

Auf dem FIDE-Kongress im September 2016 in Baku wurden die neuen Regeln verabschiedet, die ab dem 01.07.2017 gültig sein werden. Mit neuen Veränderungen müssen wir dann erst wieder ab 2020 rechnen.

Als Turnierschachspieler ist es äußerst hilfreich, sich mit den aktuellen FIDE-Regeln auszukennen. Nur wer seine Rechten und Pflichten kennt, kann im Fall der Fälle die richtigen Entscheidungen treffen und sich vor unangenehmen Situationen schützen. So werden ärgerliche Zeitstrafen und Punktverluste vermieden.

Die wichtigsten Veränderungen:

Eine kurze Legende zur Bedeutung:

  1. Ein normal formatierter Text bedeutet, dass dies aus den alten Regeln übernommen worden ist.
  2. Eine fette Formatierung bedeutet, dass dies neu ist oder eine Veränderung darstellt.
  3. Teilweise habe ich noch kurz meine persönliche Meinung zur Regeländerung bzw. eine weitere Erläuterung der Veränderung unter der Regel hinzugefügt. Dies ist erkennbar durch eine vorangestellte Raute # und kursiv formatierten Text.
  4. Die betroffene FIDE-Regel wird durch die zugehörige Artikelnummer referenziert.

 

Langschach:

4.2.1

Vorausgesetzt, dass er seine Absicht im Voraus bekannt gibt (zum Beispiel durch die Ankündigung „j’adoube“ oder „ich korrigiere“), darf nur der Spieler, der am Zug ist, eine oder mehrere Figuren auf ihren Feldern zurechtrücken.

4.2.2

Jeder andere physische Kontakt mit einer Figur gilt als vorsätzlich, es sei denn es ist eindeutig erkennbar, dass der Kontakt versehentlich und nicht mit Absicht zustande kam.

# Diese Änderung finde ich sehr gut und es war an der Zeit, dass diese mit aufgenommen wurde. Ich appelliere grundsätzlich an die Fairness eines jeden Spielers und dann sollte dies selbstverständlich sein und kein Problem darstellen.

5.2.3

Die Partie ist remis durch eine von den beiden Spielern während der Partie getroffene Übereinkunft. Damit ist die Partie sofort beendet unter der

Voraussetzung, dass beide Spieler mindestens einen Zug ausgeführt haben. # Es ist wichtig, dass man diese Neuheit kennt. So wird sichergestellt, dass die Partie stattfindet und das begrüße ich sehr, denn man ist ja schließlich zum Schachspielen bei einem Turnier und so überlegt man sich vielleicht, ob man die Partie nicht doch ganz ausspielen möchte.

7.2.1

Wenn während einer Partie festgestellt wird, dass die Anfangsstellung der Figuren falsch war, wird die Partie annulliert und eine Neue gespielt. Sollten jedoch bereits 10 Züge abgeschlossen worden sein, so wird das Spiel fortgesetzt.

7.5.1

Ein regelwidriger Zug gilt als abgeschlossen, sobald der Spieler die Uhr gedrückt hat. Wenn während einer Partie und bevor 10 weiteren abgeschlossenen Zügen der Spieler festgestellt wird, dass ein regelwidriger Zug vollständig abgeschlossen wurde, wird die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß wiederhergestellt. Falls die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß nicht bestimmt werden kann, wird die Partie aus der letzten bekannten Stellung vor dem Regelverstoß heraus weitergespielt. Die Artikel 4.3 und 4.7 werden auf den Zug angewandt, der den regelwidrigen ersetzt. Daraufhin wird die Partie aus der so erreichten Stellung heraus weitergespielt.

7.5.2

Sobald in einem Spiel 10 weitere Züge nach einem regelwidrigen Zug abgeschlossen worden sind, sollte das Spiel fortgesetzt werden.

7.6 Wenn während der Partie festgestellt wird, dass eine Figur von ihrem Feld verschoben worden ist, wird die Stellung vor dem Regelverstoß wiederhergestellt, es sei denn, es wurden schon weitere 10 Züge abgeschlossen.Falls die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß nicht festgestellt werden kann, wird die Partie aus der letzten bekannten Stellung vor dem Regelverstoß heraus weitergespielt.

# Die ganzen Änderungen ab 7.2.1 zielen darauf ab, dass man nach 10 Zügen keinen unkorrekten Zug und Ähnliches mehr reklamieren kann. Dies kommt bei den meisten regulären Turnierpartien nicht vor, im seltenen eintretenden Fall würde dies aber dem Schiedsrichter die Arbeit erleichtern und den Spielfluss gewähren, weshalb ich diese Änderungen auch als positiv ansehe.

7.7.

Sollte ein Spieler beide Hände benutzen, um einen Zug auszuführen (z.B. im Fall einer Rochade, Schlagen einer Figur oder einer Bauernumwandlung), dann sollte der Schiedsrichter den betreffenden Spieler warnen und seinem Gegner 2 Minuten extra Bedenkzeit hinzufügen.

# Diese Regel ist neu und wurde anscheinend explizit aufgenommen, da es in der näheren Vergangenheit immer wieder zu solchen Vorfällen kam, unter anderem auch bei Großmeisterpartien. So wird ein faires Spiel bezüglich der Zeit beim Ziehen der Figuren gefördert. Es sollte allerdings schon vorher bekannt gewesen sein, dass man nur mit einer Hand seinen Zug ausführen darf laut Artikel 4.1: „Jeder Zug muss mit

einer Hand alleine ausgeführt werden.“ Nun wurde dafür eine genaue Strafe festgelegt.

7.8.1

Es ist einem Spieler nicht erlaubt die Uhr zu drücken, ohne einen Zug auszuführen.

7.8.2

Für die erste Nichtbeachtung der Regel 7.8.1 sollte der Schiedsrichter den Spieler warnen und seinem Gegner 2 min extra Zeit geben. Bei der zweiten Nichtbeachtung der Regel 7.8.1 vom gleichen Spieler, sollte der Schiedsrichter die Partie für diesen Spieler als verloren werten, es sei denn, es handelt sich um eine tote Stellung in Bezug auf Artikel 5.2.2 .

# Es wurde eine Strafe festgelegt für das unerlaubte Drücken der Uhr. Dies ist auch grundsätzlich gut, denn das unkorrekte Betätigen der Uhr lenkt den Gegner ab und beim Fischermodus könnte so die Zeit beeinflusst werden oder ein Zugzähler würde nicht mehr richtig funktionieren.

11.2.4

Als Regel bei einem Schachturnier darf festgelegt werden, dass ein Spieler den Schiedsrichter benachrichtigen muss, sollte er den Wunsch haben, den Spielbereich zu verlassen.

# An sich ist diese Regel auch gut gemeint und zum Schutz der Spieler, denn während einer Partie hat man außerhalb des Spielbereiches nichts zu suchen, weil man sich hier unerlaubter Hilfsmittel bedienen könnte. Die Turnierleitung sollte diese Ankündigung nur vor dem Turnierstart machen und den Spielbereich festlegen.

11.3.2

Während des Spiels ist es einem Spieler verboten, ein Mobiltelefon und/oder ein anderes elektronisches Kommunikationsmittel im Turnierareal bei sich zu haben. Wenn es erwiesen ist, dass ein Spieler ein solches Gerät in das Turnierareal gebracht hat, verliert er die Partie. Der Gegner gewinnt die Partie. Das Turnierreglement kann eine andere, weniger strenge Bestrafung vorsehen.

Das Turnierreglement darf erlauben, dass Spieler ihre elektronischen Geräte in einer Tasche außerhalb des Körpers (z.B. Rucksack oder Handtasche) mitführen dürfen unter der Bedingung, dass diese Geräte vollständig ausgeschaltet sind. Diese Tasche muss an einem vereinbarten Ort mit dem Schiedsrichter abgestellt werden und darf nicht während des Spiels ohne Erlaubnis genutzt werden.

Der Schiedsrichter kann von einem Spieler verlangen, dass dieser in einem abgesonderten Bereich die Untersuchung seiner Kleidung, seiner Gepäckstücke oder anderer Gegenstände zulässt. Der Schiedsrichter oder eine von ihm beauftragte Person darf den Spieler untersuchen, wobei der Untersuchende das gleiche Geschlecht wie der zu Untersuchende haben muss. Verweigert ein Spieler die Erfüllung dieser Pflichten, hat der Schiedsrichter Maßnahmen gemäß Artikel 12.9 zu ergreifen.

# Diese Regel wurde schon häufig so in der Praxis bei Turnieren angewandt und nun ist es offiziell mit vorheriger Ankündigung gestattet, ein elektronisches Gerät in seiner Tasche abzulegen. Ich rate jedem fair zu sein und seinen Gegner nach ungewöhnlichen Pausen genauer zu beobachten, um sich selbst vor dieser Schandtat gegen unser geliebtes Schachspiel zu schützen.

11.11

Während eines Spiels müssen beide Spieler dem Schiedsrichter nach bestem Gewissen helfen z.B. bei der Rekonstruktion von Stellungen oder beim Prüfen einer Reklamation auf Remis.

# Dies sollte aus meiner Sicht eigentlich selbstverständlich sein, wir müssen alle fair bleiben und es ist nur ein Spiel. Ein erschlichener Punkt mit unfairen Praktiken ist absolut nichts wert und es führt nur zu unnötigen Verzögerungen, wenn man nicht mithilft.

Schnellschach:

A.2

Spieler müssen die Züge nicht aufzeichnen. Sie verlieren nicht das Recht auf Reklamationen, welche normalerweise auf die Notation der Züge basiert sind. Ein Spieler darf jederzeit den Schiedsrichter darum bitten, ihm ein entsprechendes Partieformular zur Verfügung zu stellen.

# Dies ist von Bedeutung für alle Turnierorganisatoren, sodass man ein entsprechendes Blatt zum Notieren der Züge für den Fall der Fälle bereithält.

A.3.2

Unter der Voraussetzung, dass die Partie aufgezeichnet wird, darf ein Spieler, sofern er am Zug ist, den Schiedsrichter darum bitten, ihm die aufgezeichneten Züge zu zeigen.

# Diese neue Regel sollte eigentlich kein größeres Problem darstellen. Ich denke, es wird auch nicht häufig vorkommen.

A.4.5 Sollte der Schiedsrichter einen Verlust auf Zeit beobachten, so darf er dieses Spiel beenden.

# Dies sollte auch neu für alle Schiedsrichter sein. Vorher musste laut Artikel A4.3 der reklamierende Spieler den Schiedsrichter benachrichtigen und er musste noch selbst Restbedenkzeit übrig haben. Nun kann der Schiedsrichter bei einem zeitlich knappen Spiel entscheiden, wer auf Zeit gewonnen hat, sofern er es denn beobachtet hat. Ansonsten ändert sich nichts an A4.3.

Blitzschach:

B.3.2

Unter der Voraussetzung, dass die Partie aufgezeichnet wird, darf ein Spieler, sofern er am Zug ist, den Schiedsrichter darum bitten, ihm die aufgezeichneten Züge zu zeigen.

# Diese Regel wurde beim Schnellschach auch eingeführt.

Fazit:

„Aus meiner Sicht sind die neuen Regeln ein Schritt in die richtige Richtung für das Turnierschach. Es wurden viele sinnvolle Regeln hinzugefügt und zu Gunsten der Fairness angepasst. Abschließend wünsche ich allen Schachspieler/innen viel Erfolg bei zukünftigen Turnieren und besonders, nach dem Lesen dieser Regeln, ein faires Spiel! Wichtig ist, dass es allen Spaß macht und keiner auf den Kosten von anderen Spielern handelt. Regeln helfen uns dabei, aber in den meisten Fällen hilft uns unser gesunder Menschenverstand.“ (Felix Teichert, Brandenburg)

Quellen (Stand 13.05.2017):

Felix Teichert, Brandenburg

http://rules.fide.com/images/stories/Laws_of_Chess_2017.pdf

http://rules.fide.com/

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